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Koerperkasten      
           


Körperkasten,
sitting 3 hours inside a box - performance, Evangelische Stadtakademie München 2014
Foto: Siegfried Wameser /München


                   
   

 

   

Körperkasten (body box)
Performance, Evangelische Stadtakademie München, ARTIONALE 2014


Die Performance dauerte 3 Stunden. Jeweils zur vollen Stunde gab es ein Gespräch von Jutta Höcht-Stöhr (Leiterin der evang. Stadtakademie)
mit einem Gast im Angesicht der Arbeit. Einmischung des Publikums war willkommen.
Die drei Gäste waren: Diana Ebster (Kunsthistorikerin), Horst Konietzny (Regisseur), Nika Wiedinger (Philosophin)

Die Besucher nähern sich einer spärlich beleuchteten Kiste, die leblos zu sein scheint. Ihre ungewöhnliche Form wirft Fragen auf. Beim Nähertreten kann man den Schlitz auf der Seite der Kiste sehen und Haare bzw den Hinterkopf eines Menschen erkennen. Je länger man hinsieht umso klarer wird, dass es sich wirklich um eine reglos sitzende Person handelt, die in diesem „Körperkasten“ eingesperrt ist. Oder sitzt der Mensch freiwillig dort? Es ist irritierend, nicht in Kommunikation treten zu können. Der eingesperrte Mensch ist gesichtslos, passiv und scheint abgeschnitten vom Leben. Oder fühlt er sich etwa ganz wohl in seiner Abgeschiedenheit und möchte nicht gestört werden?
Gleichzeitig wandelt sich das Licht im Kasten unmerklich von fast dunkel bis hin zu hell und zurück. In den dunkleren Stadien ist der Mensch im Kasten im Dunkel verschwunden um dann langsam wieder aufzutauchen. So werden die Betrachter Teil der Performance, ihre Sinne müssen sich immer wieder neu „nachjustieren“ um sich den Lichtverhältnissen anzupassen.



kopf    
Körperkasten close-up, Foto: Siegfried Wameser    


Auszug aus einem der drei Gespräche des Abends, die Jutta Höcht-Stöhr moderierte:


Jutta Höcht-Stöhr: Was haben Sie jetzt gesehen?

Besucher: Zuerst beklemmend - es ist nichts zu sehen und dann plötzlich merkt man dass ein Mensch darin sitzt.
Die vergitterte Leuchte bringt auch etwas Beunruhigendes mit sich.
Meditation - hoffe dass das geht für den Menschen der da drin sitzt (Lachen der anderen Teilnehmer) - weil sonst . .
Das Denken will kausal irgendetwas finden, da es gewohnt ist in Sachzwängen zu denken um das Leben als normal zu empfinden.
Und dann kommt plötzlich ein Bild und ist völlig abnorm. Das katapultiert heraus aus diesem Selbstverständnis in dem man so vor sich hinlebt.
Das ist auch etwas, was ich von Kunst erwarte, dass das klappt - und das klappt erstmal ganz gut, wenn man da im Raum steht.

Jutta Höcht-Stöhr: Aus was katapultiert das heraus würden, Sie sagen?

Besucher: Aus dem Geplanten. Aus der Realität, die als normal empfunden wird - ebenso aus der Gewohnheit in Kausalketten zu denken.
Das Denken schränkt sich damit selbst ein (….) das Leben faltet sich ein, wird zu einem Tunnel.

Jutta Höcht-Stöhr: Aber sucht man in so einer Arbeit nicht auch wieder einen logischen Sinn?

Besucher: Was für einen Sinn soll es haben, dass jemand in einer Kiste sitzt? (Lachen der anderen Teilnehmer)

Jutta Höcht-Stöhr: Dann fängt man an zu suchen!

Besucher: Genau! Und dann klappt dieses Suchen nicht, man findet erstmal nichts - und das meine ich mit "Herauskatapultieren".

   


 
Körperkasten close-up, Foto: Siegfried Wameser